Zur Klassifikation von Klassifikatoren. Ein Beitrag zur laufenden Diskussion über Gebärden mit Klassifikatorhandform

Foto Alejandro OviedoPor Alejandro Oviedo.

Hamburgo, 2001.

Sección: Artículos, lingüística.

Eine zunehmende Zahl von Untersuchungen zu unterschiedlichen Gebärdensprachen befasst sich mit den Problemen der linguistischen Beschreibung eines Gebärdentyps, der bildhaft die Handlungen oder die äußerlichen Aspekte von Entitäten im Raum darstellt. Daher verfügen Gebärden dieses Typs über keine festen Formen; darüber hinaus erfüllen sie einige strukturelle Aufbauprinzipien von lexikalischen Einheiten der Gebärdensprachen nicht (vgl. Johnston & Schembri 1999). Diese Gebärden werden in der Literatur unterschiedlich bezeichnet: „verbs of motion and location“ (Supalla 1978), „predicate classifiers“ (Liddell & Johnson 1987), „polymorphemic verbs“ (Engberg-Pedersen 1993), „proforms“ (Johnston & Schembri 1999) u.a.

Im spanischsprachigen Raum Lateinamerikas werden solche Gebärden als „predicados con clasificador“ („Prädikate mit Klassifikator“), „verbos con clasificador“ („Verben mit Klassifikator“) oder „clasificadores“ („Klassifikatoren“) bezeichnet (Pietrosemoli 1991; Domínguez 1996; Gómez 1997; Oviedo 2000a; 2000b und im Druck). Dieser Tradition entsprechend verwende ich im Folgenden den Ausdruck „Gebärden mit Klassifikatorhandform“. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mit dieser Bezeichnung gleichzeitig eine der bereits bestehenden Definitionen zu dieser Art von Gebärden übernehme (vgl. Schembri 2000).1

Die Gebärden, die ich hier behandle, werden in der Literatur als Einheiten mit prädikativer Bedeutung betrachtet, deren individuelle formale Komponenten bestimmte Bedeutungen haben, beispielsweise: Die Handform informiert über eine Entität (z.B. den Agens oder das Instrument einer Handlung), die mit der Prädikation in Beziehung gesetzt wird; die Bewegung informiert über die Aktionen oder die äußerlichen Merkmale der von der Hand dargestellten Entität; die Handstellung zeigt die räumliche Position dieser Entität an.

Je nach Kontext nehmen die Gebärden unterschiedliche Formen an: Wenn sich die von der Gebärde dargestellte Entität bewegt, z.B. geradeaus, wird die Hand genau so bewegt; informiert eine Gebärde über einen runden Gegenstand, dann zeichnen die Hände einen Kreis in den Raum usw. (vgl. Valli & Lucas 1995; Sutton-Spence & Woll 1999).

Eine mögliche Beschreibung von Gebärden mit Klassifikatorhandform wird in der Gebärdensprachlinguistik seit langem diskutiert. In den letzten zwei Jahren wurden interessante Beiträge zu diesem Thema veröffentlicht (Johnston & Schembri 1999; Liddell 2000; Schembri 2000; Cogill, im Druck). Ich werde mich im Folgenden mit diesen Untersuchungen anhand von Beispielen aus der Venezolanischen (Lengua de Señas Venezolana, LSV) und Kolumbianischen (Lengua de Señas Colombiana, LSC) Gebärdensprache beschäftigen. Ich werde darstellen, dass die Probleme bei der linguistischen Beschreibung der Gebärden mit Klassifikatorhandform in LSC und LSV ähnlich denen sind, auf die die diesbezügliche Forschung auch bei anderen Gebärdensprachen gestoßen ist. Im Einzelnen werden folgende Fragen behandelt: Leer más… Descargar PDF – 1,79 MB)

 

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